Schützen wir das Internet als Ort für Start-ups und Innovationen Teilen Sie der EU Ihre Meinung mit 2016-11-02T11:48:17+00:00

Aufruf zum Handeln

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Die Europäischen Kommission hat eine Konsultation über die Schaffung eines neuen EU-weiten „Quasi-Urheberrechts“ für Presseverleger, Buchverleger, wissenschaftliche Verleger usw. gestartet (siehe hier). Diese knüpft an die Diskussion über das „Leistungsschutzrecht“ bei Snippets an, die wir aus Deutschland und Spanien kennen. Diesmal geht es aber um eine EU-weite Regelung, die sich nicht nur auf Online-Snippets (die Verwendung kleiner Textausschnitte) bezieht, sondern auf alle anderen Aspekte von online und offline veröffentlichten Inhalten.

Warum sind Start-ups davon betroffen? Ähnliche Schritte in Spanien und Deutschland gingen mit schweren Folgen für Start-ups einher. Derzeit ist nicht klar, was ein Start-up rechtlich gesehen mit Inhalten und Snippets tun darf, und bei dieser Rechtsunsicherheit bleibt es nicht ohne Wirkung, wo Sie Ihr Start-up aufbauen oder wie VC-Geber und andere Investoren Ihr Unternehmen beurteilen. Wir wissen, dass einige Start-ups, vor allem in Spanien und Deutschland, bereits gegen die Pläne rebellieren, aber auch Akademiker, Verleger, Journalisten und Konsumenten haben ihre Stimme erhoben. Und nun hat die Europäische Kommission vor Ostern eine Konsultation zu diesem Thema veröffentlicht.

Der Inhalt gibt Anlass zur Sorge und wird als Verschlimmerung der Situation betrachtet, die Kritik von verschiedenen Gruppen für digitale Rechte und Akademikern auf sich zieht.

Das ist ein ernstes Problem. Damit würde alles, was in schriftlicher Form im Internet erscheint, einem neuen Urheberrecht für Verleger unterliegen. Das wirkt sich nicht nur auf die Verwendung von Snippets und Textzitaten aus, sondern auf alle Webinhalte, die Sie in Ihren Produkten nutzen, sowie auf nutzergenerierte Inhalte oder die Analyse von Web-Daten. Das wird wahrscheinlich dazu führen, dass die Verwertungsgesellschaften, die diese Unmengen an neuen Urheberrechten verwalten müssen, mehr involviert sind (wie es in Spanien und Deutschland der Fall ist) und in Bezug darauf, was Start-ups mit Inhalten tun, neue urheberrechtliche Ansprüche erheben können.

Was können Sie tun? Erheben Sie Ihre Stimme und verschaffen Sie sich Gehör. Direkt bei der Europäischen Kommission durch unseren Begleitbrief und anhand der Hilfe zu den Antworten. Informieren Sie Ihre Freunde und beziehen Sie sie mit ein!

Wir werden uns sehr dafür einsetzen, dass Ihrer Stimme bei Politik und Verwaltung Gehör verschafft wird und dieser Vorschlag bekämpft wird.

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FAQ

Einige Presseverleger argumentieren, dass man für eine Verlinkung eine urheberrechtliche Genehmigung braucht. Sie kommen mit der besonders exotischen Ansicht, dass die Suche im Web einer Genehmigung bedarf. (Lesen Sie hier). Einer anderen Meinung zufolge ist eine Verlinkung rechtswidrig. Obwohl laut dem Europäischen Gerichtshof eine Verlinkung keiner urheberrechtlichen Genehmigung bedarf, ist das Thema nach wie vor aktuell.

Ein Argument, das für ein solches Kopier-Urheberrecht sprechen würde, wäre eine bessere „Vergütung“ für private Vervielfältigung und Reprographie (eine Abgabe, die von Verwertungsgesellschaften dem Preis von Druckern, Kopiergeräten usw. zugeschlagen wird). Lassen Sie sich davon aber nicht täuschen, denn diese Einnahmen gehen nicht an die Autoren, sondern an große Verwertungsgesellschaften.

Es sollte hier auch erwähnt werden, dass einige vorausschauende Verleger dem selbst nicht zustimmen, siehe (hier, hier und hier).

 

Wenn Ihre App oder Ihr Unternehmen von Inhalten aus dem Internet abhängen, sind wahrscheinlich auch Sie von diesem Problem betroffen. Das gilt umso mehr, wenn es sich bei den Inhalten um Nachrichteninhalte handelt.

Dienste, die Inhalte sammeln, teilen oder inhaltlich erschließen oder mit Nachrichteninhalten zu tun haben, wurden – besonders in Spanien – so schwer davon getroffen, dass sie ihre Tätigkeit einstellen mussten. Eine Studie über die Auswirkung des Gesetzes listet die Start-ups auf, die deswegen schließen mussten, darunter Planeta Ludico, NiagaRank, InfoAliment und Multifriki[1].

So ein schnelles Ende ist vielleicht sogar vorzuziehen, da wenige Start-ups über eine Armada an Anwälten verfügen, die es braucht, um sich gegen Urheberrechtsklagen zu verteidigen. Sollten Online-Inhalte und Snippets mit neuen Rechten versehen werden, wird das in vielerlei Hinsicht Risiken mit sich bringen. Und die Rechtsstreitigkeiten kommen nicht direkt den Autoren zugute, sondern werden von großen Rechteinhabern und Verwertungsgesellschaften geführt.

Außerdem erhöhen rechtliche Risiken die „Burn Rate“ und halten Investoren somit ab. Geldgeber werden ein Start-up nicht unterstützen, wenn sie rechtliche Risiken sehen. Javier Sardá, Gründer von NewsletterBreeze, sagt: „Wir haben drei Viertel der Kunden verloren, die wir innerhalb der letzten Monate gewonnen haben. Keiner der Kunden, die das Angebot testeten, wurde Kunde. Sie hatten Angst, eine Gebühr von ungewisser Höhe zahlen zu müssen. Unsere vielversprechende Zukunft wurde von einem Tag auf den anderen wirklich schwarz.“ Ricardo Galli, Mitbegründer des spanischen Start-ups Meneame, sagt: „Das (spanische) Recht kodifiziert ein auslaugendes Kartell, straft Innovationen und die Einführung neuer digitaler Produkte, schädigt die kleineren Medien, die für ihre Verbreitung und ihr Wachstum hauptsächlich von den sozialen Netzwerken abhängig sind, und bringt Firmen wie Meneame in eine wirtschaftlich unsichere Situation.“

[1] http://www.aeepp.com/pdf/InformeNera.pdf

Das Recht wurde nicht dafür konzipiert, Online-Verlegern zu helfen. Es wurde geschaffen, um etablierte Print-Verlage und deren Unternehmen vor Online-Konkurrenz zu schützen.

Wenn Sie, um Ihr Publikum zu erreichen, vom Internet oder von Apps abhängen, wird es für Sie noch schwerer. Sie können nicht mehr darauf zählen, dass Sie über die Online-Dienste oder Plattformen einschließlich der sozialen Medien Besucherzustrom erhalten. Tatsächlich werden Ihre Online-Besucherzahlen weniger werden. Presseverleger in Spanien sind selbst schlecht weggekommen (10 Millionen Euro Verlust pro Jahr, laut einem von spanischen Verlegern in Auftrag gegebenem Bericht). Den größten Rückgang an Besuchern hatten jedoch kleinere oder Online-Verleger zu verzeichnen.

Sie erhalten keine „Reprographie“- oder „Privatkopie“-Einnahmen, da diese Beträge nur an Publikationen in physischer Form gehen, und nicht an Online-Publikationen.

Wenn Ihr Geschäftsmodell von Creative Commons oder Open-Access-Modellen abhängt, wird es ebenfalls zu Schaden kommen. In Spanien ist es so, dass eine Verwertungsgesellschaft Ihre Snippets verwaltet und etwas dafür verlangt, egal ob Sie es wollen oder nicht. Und jeder Creative-Commons-Inhalt ist mit einer neuen Auflage an Rechten konfrontiert, die bereits vereinbarte Genehmigungen ersetzt.

Neben der rechtlichen Unsicherheit und dem Prozessrisiko wird die ganze Sparte vom „lieber keine Innovationen“-Hammer getroffen, und die Investoren werden europäischen Start-ups meiden. Sie sollten vorsichtig sein, denn die Bestimmungen sind sehr weitreichend.

Beispielsweise wird in Spanien auf Inhalte „in periodischen Publikationen oder auf Websites, die zum Zweck der Information, öffentlichen Meinungsbildung oder Unterhaltung regelmäßig aktualisiert werden“ abgezielt (einen guten Vergleich finden Sie hier). Was bedeutet das?

Die Regelung geht weit über Zeitungsinhalte hinaus. Alle Inhalte, die im Internet „regelmäßig aktualisiert“ werden, werden auf die gleiche Weise behandelt wie „periodische Publikationen“. Man könnte argumentieren, dass das unvermeidlich ist. Der Begriff „Wochen-“ oder „Tageszeitung“ spiegelt nämlich nicht wirklich wider, wann Inhalte von den Zeitungen online veröffentlicht werden.

Zweitens geht die Regelung weit über „Nachrichten“ hinaus. Gibt es denn Inhalte, die weder informativ, unterhaltend noch öffentlich meinungsbildend sind? Von einem Blog zu Wikipedia bis hin zu einem Open Science Magazin – all diese Inhaltsformen fallen unter die Gesetzesnovelle, ob dies gewünscht ist oder nicht.

Zumindest sieht das die Kommission so, denn die Konsultation erwägt ausdrücklich die Einführung neuer Rechte für Presse- und Buchverleger, wissenschaftliche und medizinische Verlage.

Die Tatsache, dass Sie über Lizenzvereinbarungen mit Rechteinhabern verfügen, um urheberrechtlich geschützte Inhalte zu verwenden, bewahrt Sie leider nicht vor allen Risiken.

Wenn Sie über Vereinbarungen über die Verwendung von schriftlichem Material verfügen, müssen Sie nun überlegen, wie Sie die Lizenzierung zweier Rechte handhaben: nicht nur der Rechte der Autoren, sondern auch des neue Rechts der Verleger. Wenn Ihre Vereinbarungen CC-Lizenzen betreffen, kann es noch viel komplexer werden. Wissen Sie denn, wer der ursprüngliche „Verleger“ des CC-Inhaltes ist? Dem Plan zufolge müssten Sie in dem Fall die Genehmigung einholen.

Im Grunde müssten Sie Inhalte und Snippets getrennt behandeln, und Sie hätten nicht nur mit Autoren zu tun – was verständlich wäre –, sondern auch mit Verwertungsgesellschaften. Diese fordern eine Erklärung, dass Sie Snippets verwenden, sowie eine Angabe zur Verwendung, und dann schicken sie Ihnen die Rechnung dafür.

Start-ups denken vom ersten Tag an global. Wir nehmen nun an, dass dieses Leistungsschutzrecht für Verleger für Europa gelten soll, und nach unserem Wissensstand ist außerhalb von Europa noch niemand sonst auf eine ähnliche Idee gekommen.

Ehrlich gesagt möchten wir über eine weitere künstliche und mit dem Internet inkompatible Regelung gar nicht nachdenken.

Sollte dieses neue, ausschließlich europäische Recht grünes Licht bekommen, werden einfach mehr nicht-europäische Dienste und Inhalte im Internet florieren. Während die Europäer noch damit ringen, wie sie mit dieser neuen Auflage an Rechten für europäische Inhalte umgehen sollen, wird der Rest der Welt nicht stehen bleiben. Inhalte von außerhalb Europas werden mehr Popularität erfahren und verstärkt gemeinsam genutzt werden. Und die Verleger könnten mit einem neuen Plan anrücken, um dem entgegenzuwirken.

Einige Innovationen werden sich an andere Orte verlagern. Wenn Ihr Produkt zum Beispiel von der Analyse, Verarbeitung und Gewinnung von Daten oder Inhalten aus dem Internet abhängt, kann es gut sein, dass Sie sich damit in anderen Ländern leichter tun. Bei Forschungseinrichtungen ist das bereits der Fall, und das macht das Ganze nur schlimmer. Die Gesetzesnovelle ist in der Tat das ultimative Mittel gegen Text- und Data-Mining.

Hören Sie hier, was der Internet-Experte Prof. James Boyle darüber sagt. Und hier ein Beispiel dafür: Ein neues Recht für Verleger-Inhalte schadet bahnbrechenden datengesteuerten Innovationen und Informatiktechniken wie Text- und Data-Mining. Es ermutigt die Forschung, ihren Standort zu verlegen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Creative Commons und andere offene Modelle sind oft ein Teil innovativer Geschäftsmodelle für Start-ups. CC ist auch für bestimmte Bereiche wie Forschung, Wissenschaft und Bildung wichtig, wo viele Möglichkeiten für Innovationen vorhanden sind. Einige erfolgreiche Zeitungen beruhen auf Creative Commons, wie El Diario in Spanien.

Allerdings stellt sich in Spanien das Leistungsschutzrecht für Verleger dem Creative Commons-Konzept unmittelbar entgegen, denn die Rechte an Zitaten oder Textauszügen liegen nun bei den Verwertungsgesellschaften. Und diese Institutionen lizenzieren und ziehen rechtmäßig und in Ihrem Namen Vergütungen für Ihre Inhalte ein – ob es Ihnen passt oder nicht, und egal ob Ihre Inhalte CC sind. Lesen Sie hier mehr darüber.

Wie sich das neue Verleger-Recht, das für Snippets und Online- und Offline-Aktivitäten gilt, noch in anderer Hinsicht auf Creative Commons-Lizenzen auswirken wird, ist schwer zu sagen. Auf den ersten Blick zeigt sich, dass alle veröffentlichten Inhalte (auch Online-Inhalte) unter das neue Verleger-Recht fallen, und dieses Recht standardmäßig vorgibt, dass Creative Commons nicht geschaffen werden.

Durch verwandte Schutzrechte für Verleger wird es Apps und Internetseiten erschwert, Inhalte zu erschließen und Tools zur Verbreitung dieser Inhalte zu entwickeln. Stellen Sie sich vor, Sie müssten einen im Internet gefundenen Artikel oder Blog ohne Textschnipsel oder Vorschau, sondern nur mit der URL teilen.

Das schadet der Diversität und dem Zugang zu Informationen, und alternative Nachrichtenquellen (Blogs, Nachrichtenseiten, die nur im Internet stehen usw.) werden es schwer haben, im Internet gefunden zu werden und ein Geschäftsmodell aufzubauen.

Das schadet den Verbrauchern, die mehr Anstrengung aufwenden müssen, um etwas online zu finden. In Spanien bedeutet das für die Verbraucher einen geschätzten Verlust von 1,85 Milliarden EUR pro Jahr.

Das schadet der Forschung und Bildung. Neue Rechte für Verleger – das bedeutet auch mehr Komplexität und Kosten, beispielsweise für das Kopieren und die Verwendung von Materialien an Schulen, die Lizenzierung von Forschungsdatenbanken, das Entleihen von Büchern aus der Bibliothek oder die Verwendung von Informatiktechniken zur Gewinnung von Inhalten (Text- und Data-Mining).

Einige behaupten, dass es sich nicht direkt auf Verlinkungen auswirkt. Das Verlinken und das Teilen von Inhalten werden in offiziellen Mitteilungen oder Rechtsvorschlägen nicht per se erwähnt.

 Aber die Online-Verwendung von Snippets, Bildern und Textauszügen steht im Fokus. Und wenn Sie verlinken können, aber keine Texte, Bilder oder Titel von Blogs oder Artikeln verwenden dürfen, bleibt Ihnen nur eine Ansammlung von blauen URLs. Wobei URLs, die den Titel eines Blogs oder Artikels wiedergeben, natürlich ausgeschlossen sind.

 Somit wird die Erstellung von Tools, die das Teilen von Links zu Online-Inhalten ermöglichen oder Internetinhalte einbetten, erheblich behindert. Ohne die Möglichkeit einer Verlinkung wird die Nutzererfahrung definitiv beeinträchtigt werden.

 Mit der breiteren Fassung des Leistungsschutzrechts wird alles noch schlimmer, da damit das gesamte Internet einem neuen Urheberrecht unterstellt wird.

 Derzeit sind etwa eine Milliarde Websites und Milliarden andere Internetseiten online. Sind diese Inhalte schriftlich (wie Zeitungen, Bücher oder Wissenschaftszeitschriften), so würden sie unter das neue Urheberrecht fallen.

 Das ist nicht nur völlig unnötig, es wird auch sehr verwirrend sein herauszufinden, wann Sie Inhalte aus dem Internet verwenden dürfen und wen Sie dabei um Genehmigung bitten müssen.

Presseverlegern fällt es nicht leicht, sich auf die digitale Entwicklung einzustellen. Sie haben wahrscheinlich den Eindruck, dass es vor allem US-amerikanische Technologieunternehmen sind, die beim Aufbau ihrer Online-Geschäftsmodelle besonders erfolgreich sind. Sie weisen also darauf hin, dass das Urheberrecht die beste Möglichkeit darstellt, um Gelder von diesen Technologieunternehmen zu erhalten.

Abgesehen davon hat noch niemand wirklich die Logik des Ganzen verstanden. Wie es ein Kommentator formulierte: „Wenn man dieser Logik folgt, könnten Konzerthallen den Taxifahrern verbieten, Leute zu ihren Konzerten zu fahren, es sei denn, die Taxifahrer zahlen eine „Vergütung“ an die Veranstalter, dafür dass sie ihnen Kunden bis vor die Tür bringen. In einem Umfeld, in dem ein teures, unzusammenhängendes und veraltetes Urheberrechtsgesetz der europäischen Wirtschaft bereits beträchtlichen Schaden verursacht hat, könnte dieser Ansatz ein Witz sein, der aber mit Sicherheit nicht lustig ist.“

Für bedeutende „alte“ Presseunternehmen hat der Besucherzustrom, den sie durch Online-Servicestellen erhalten, nur Vorteile. Es gibt ihnen die Möglichkeit, die Beachtung, die sie erfahren, auch in Geld umzusetzen. In Frankreich, Deutschland, Spanien und im Vereinigten Königreich wird geschätzt, dass der Traffic, der durch Dienste Dritter (von Seiten wie Google News, Facebook, Twitter, aber auch E-Mail usw.) an die Presseverleger geleitet wurde, für diese Presseverleger 746 Millionen Euro Umsatz generiert hat.

Nein! Absolut nicht. Journalismus, neue digitale Medien und alte Medien in Print-Form sollten bei dieser Diskussion nicht durcheinander gebracht werden. Dieser Vorschlag zielt darauf ab, die Geschäftsmodelle einiger mächtiger Presseverleger zu stützen. Er bewirkt nichts für Journalisten. Er bewirkt nichts für New-Media-Unternehmen, die auf Apps und das Internet angewiesen sind, um sich ein Publikum und ein Geschäft aufzubauen.

Das neue Verleger-Recht schadet eigentlich diesen innovativen New-Media-Unternehmen. In Spanien hat das Leistungsschutzrecht den Presseverlegern nicht nur nichts gebracht, es waren noch dazu die Start-ups, die am meisten darunter litten, weil sie vom Internet abhängen, um neue Leser zu erreichen. Wenn Sie mit Ihrem Namen im Pressebereich bereits gut bekannt sind, dann sind Sie nicht so sehr auf das Internet angewiesen, um gefunden zu werden.

Das neue Verleger-Recht schadet auch den Journalisten, da es den Verlegern ermöglicht, einen größeren Teil der Urheberrechtseinkünfte zu erhalten, die zwischen Journalisten und Verlegern aufgeteilt werden.

Es ist keine Steuer, es ist Urheberrecht. Es wird sich nicht nur auf Google auswirken: das Urheberrecht ist ein Eigentumsrecht. Es betrifft jeden, der damit in Berührung kommt. Google, Facebook und Twitter sind nur interessanter, weil sie bezahlen können. Start-ups können das oft nicht. Und für die, die dem neuen Urheberrecht Erfolg wünschen, scheint das ein annehmbarer Kollateralschaden zu sein.

Das neue Verleger-Recht wurde auch als „Verlinkungssteuer“ oder „Snippet-Steuer“ bezeichnet, da es das Urheberrecht in Spanien und Deutschland auf „Snippets“ oder kurze Textauszüge ausdehnt. Diese Snippets werden in Google News, Facebook oder Twitter verwendet, um etwas zu verlinken und den Link zu beschreiben. Ohne Snippet ist ein Link nur eine einfache URL. Gibt es einen Snippet oder sogar eine Überschrift, dann ist dafür zu zahlen.

Es wird jetzt als „verwandtes Schutzrecht“ bezeichnet. Man könnte leicht meinen, dass das viel netter klingt als „Verlinkungssteuer“, dass das mehr technischer Natur ist oder dass es da um etwas geht, worum man sich keine Sorgen machen muss. Das vorgeschlagene Recht ist aber gerade noch ehrgeiziger geworden und darauf ausgerichtet, dieses Recht an Online-Snippets mit einem breiter gefassten Recht für Presseverleger, Buchverleger, wissenschaftliche Verleger und Verleger anderer Sektoren zu kombinieren.

Letztlich bedeutet das mehr Nutznießer (was sinnvoll ist, denn man kann „Nachrichten“ nicht wirklich definieren) und es bedeutet einen breiteren Gegenstand (so ziemlich alles, was schriftlich online oder offline veröffentlicht wurde). Und es bedeutet auch, dass mehr Aktivitäten betroffen sind – von Offline-Aktivitäten (Druck, Kopieren) bis zu Online-Aktivitäten (das Lizenzieren eines Buchs, um es mit einem Dienst wie iTunes anzubieten). Diese sind bereits durch das Urheberrecht geregelt, und die Verleger erhalten diese Rechte per Vertrag. Parallel dazu möchten die Verleger jedoch noch ein zusätzliches eigenes Urheberrecht für sich.

Gewöhnen Sie sich also daran, mit doppelten Rechten konfrontiert zu werden sowie mit einer neuen Auflage an Urheberrechten auf alles, was im Internet veröffentlicht wird.

Wahrscheinlich werden Sie dadurch direkt oder indirekt betroffen sein. Falls Ihre App oder Ihr Programm Inhalte aus dem Internet verwendet, könnten Sie Probleme bekommen. Dasselbe gilt, falls Sie Nachrichtinhalte aus dem Internet nutzen oder Inhalte erschließen.

Eine Reihe von Start-ups musste als direkte Folge ähnlicher Urheberrechte aufgeben. Eine indirekte Folge war, dass einige ihre Produkte einstellten und aus Angst vor einem Rechtsstreit mit Verwertungsgesellschaften anderweitig investierten. Andere sahen ihre Finanzierung versiegen, da Investoren sich vor dem rechtlichen Risiko fern hielten.

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Unterzeichnen Sie unseren offenen Brief an die EU:

Keine Internet-Urheberrechtsnovelle für Presseverleger – unterstützen Sie stattdessen Kreativität und Innovation

Wir, Start-ups, digitale Unternehmer und Verbände, sind über die neuen Vorschläge der Europäischen Kommission hinsichtlich eines breiten, neuen Quasi-Urheberrechts zugunsten der Presseverleger besorgt.

Wir haben die negativen Auswirkungen solcher Vorschläge in Spanien und Deutschland unmittelbar miterlebt, wo sie generell verurteilt wurden. Wir haben gesehen, wie Europas Potenzial für digitale Innovationen dadurch geschwächt wurde, weil Start-ups in diesen Bereichen schließen oder zu anderen Aktivitäten oder Standorten wechseln mussten.

Wir haben nicht die Ressourcen, um Urheberrechtsstreitigkeiten auszufechten und ganze Armeen von Anwälten zu bezahlen. Neue rechtliche Risiken haben unmittelbare Auswirkungen auf unsere Bilanz und lassen unsere Finanzierungsquellen versiegen.

Wir sind von dem Wunsch getrieben, innovativ und kreativ zu sein, und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Als Träger von Innovation und Kreativität sind wir oft selbst Inhaber von Urheberrechten, und wir sind der Meinung, dass wir ein Mitspracherecht haben, wenn es darum geht, wie das Urheberrecht für unsere Gemeinschaft am besten genutzt werden kann.

Wir verstehen, dass die EU auch andere Regelungen als die in Deutschland und Spanien verabschiedeten Gesetze in Erwägung zieht. Aber wir glauben nicht, dass ein so grundlegend falscher Ausgangspunkt verbessert werden sollte oder könnte.

Neue Regelungen zugunsten der Presseverleger bedeuten einen Rückschritt von einer vorausschauenden, innovationsfreundlichen Urheberrechtsregelung. Sie bedeuten das Ausspielen von Technologie und Innovation gegen Kreativität. Sie bedeuten den Versuch, die grundlegenden Elemente des Internet zu schwächen. Sie zeigen einen Mangel an Verständnis dafür, wie Kreativität im digitalen Umfeld funktioniert.

Die Idee, dass alles, was im Internet schriftlich veröffentlicht wurde, eine zusätzliche neue Auflage an Quasi-Urheberrecht erhält, ist absurd. Das würde darauf hinauslaufen, dass das gesamte Internet urheberrechtlich geschützt werden würde. Erneut. Das verspricht eine neue Welle rechtlicher Unsicherheit, Komplexität und Verwaltungsaufwand für alle Unternehmen – große oder kleine –, die bestrebt sind, das Potenzial der digitalen Möglichkeiten für soziale und wirtschaftliche Verbesserungen zu nutzen.

Wir sind entschieden gegen einen solchen Schritt und streben nach Mitsprache für ein progressiveres, vorausschauenderes Urheberrecht, das uns als wesentliche Triebkräfte einer kreativen, innovativen Wirtschaft anerkennt.

Unterzeichne den Offenen Brief an die EU